Mein schwules Auge 21

Rinaldo Hopf
Die 21. Ausgabe der Anthologie steht unter dem Titel "Love, not War" und nimmt Bezug auf den Leitsatz der Friedens- und Hippy-Bewegung "Make Love, not War!" Damit setzen die Herausgeber den Rahmen der Sammlung, die sich in Zeiten von Kriegen, ob in der Ukraine oder Palestina, und dem globalen Erstarken konservatver und rechtsradikaler Kräfte in diesem Jahr auch ernsten Themen widmet.
Wie in den Vorjahren vereinigt das Jahrbuch Werke von 70 internationalen Künstlern – eine gelungene Mischung aus großen Namen und Newcomern, die sich hinter ihren berühmteren Kollegen aber keinesfalls verstecken müssen. Doch wie passen die Themen Krieg oder der weltweite Angriff auf die mühsam erkämpften Errungenschaften der LBGTQ+-Bewegung zu einem erotischen Jahrbuch? Sicher, Soldaten spielen seit jeher eine Rolle in schwuler Erotik – die Vorstellungen dieser rein männlichen Domäne hat schon so manche Fantasie beflügelt und ist ein eigener Fetisch. Die Künstler gehen das Thema glücklicherweise anders an. Künstlerischer. Nachdenklicher. Und weniger oberflächlich.
Es zeigt Fotografien von unbeschwerten Tagen am See – denn auch wenn in Teilen der Welt das Chaos tobt, geht das normale Leben überall sonst weiter. Fotos von Leidenschaft, von Begierde und pulsierender Erotik. Zeichnungen und Kollagen von schönen Männerkörpern. Gemälde, farbenfroh und fröhlich – oder dunkel und düster wie die Nacht.
Auch die Texte greifen das Thema von verschiedenen Seiten an. Ob es um Soldaten im ersten Weltkrieg geht, die fernab der Heimat auf der Suche nach Nähe und Geborgenheit sind und diese bei ihren Kameraden finden, oder ganz aktuell die Liebesbekundung an einen Russen, der selber unter dem Regime in seinem Land leidet. Prosa wechselt sich ab mit Lyrik und zeigt auch in den Texten eine riesengroße Spannweite an Genres und Themen.
Wie es sich für eine Anthologie gehört, zeigt sie mit großer stilistischer Vielfalt ein breites Spektrum schwuler Kunst, die strotzt vor Erotik, Leidenschaft und Optimismus. Die Verbindungen sucht, auch in Zeiten von Krisen und Konflikten. Auch die 21. Ausgabe ist damit wieder ein angenehmer kultureller Rundumschlag und vermittelt ein schönes Bild über die kreative Schaffenskraft schwuler Künstler weltweit.
Unser Fazit: Auch wenn es schon thematisch leichtere Ausgaben gab, ist es wieder eine gelungene Mischung, in der man auch beim mehrmaligen Betrachten immer wieder neue Edelsteine entdeckt.
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