Krankenschwester: Feigwarzen


Ein lästiges Problem: Es gibt Dinge auf der Welt, die jeder Mensch als vernünftig ansehen wird. Wie z.B. dass man die Feuerwehr bereits bei einem kleinen Feuer alarmiert und nicht wartet, bis daraus ein Großbrand entstanden ist. Oder dass man den Zahnarzt regelmäßig aufsuchen sollte und nicht erst dann, wenn der Zahn ein „richtiges“ Problem hat (wobei das jetzt schon wieder so eine Sache ist, wie viele vielleicht aus eigener Erfahrung wissen). Gleiches gilt mal wieder für ein unangenehmes Problem im Schritt, welches gerne auch verdrängt und/oder auf die lange Bank geschoben wird. Ein Problem, dass mit der Zeit auch optisch und beim Sex äußerst unangenehm werden kann, nämlich

Feigwarzen


Der Erreger ist ein kleines Virus aus der großen Familie der Warzenviren (Humane Papillom Viren =HPV). Viren aus dieser Familie verursachen Infektionen an der Haut und an den Schleimhäuten. Diese sind u. a. auch für die normalen Warzen an Händen und Füssen verantwortlich (immerhin bei bis zu 50% der Erwachsenen; meist HPV-Typ 1, 2 und 4). Mit dem Erreger der Feigwarzen (Condylomata acuminata, HPV 6 und 11) sind ungefähr 10% der Erwachsenen infiziert. Allerdings führt nicht jede Infektion zu einer sichtbaren Erkrankung und es gibt bei Warzen auch die Möglichkeit der Selbstheilung.

Infizieren können sich vor allem sexuell aktive Menschen. Begünstigende Faktoren sollen außerdem Nikotin, Stress, häufiger Analverkehr und die Pille (okay, bei Frauen) sein, die die lokale Immunreaktion beeinträchtigen können. Geht mich das was an?? Hört sich ja alles ganz gut an. 10% ... lächerlich. Eine Untersuchung von einem netten Kollegen aus Wien (ein Wiener Problem?) hat ein ganz anderes Bild gezeichnet:
Schwule Männer, HIV negativ, sind zu 47% mit Erregern von Feigwarzen infiziert! Schwule Männer, HIV positiv, sind zu 69% mit Erregern von Feigwarzen infiziert! Da überlegt Mann sich, ob man nicht auch so ein Problem an der Backe hat….

Problem:
Durch die Infektion mit HPV sehen Mediziner in den letzten Jahren insbesondere bei HIV-positiven Männern und Frauen mehr bösartige Tumoren im Analbereich. Bei HIV-infizierten Frauen scheint ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Krebs im Scheiden- und Muttermundbereich, bei Männern im Penis- und Mandelbereich durch die Infektion mit HPV zu bestehen. Dies erfordert gerade bei diesen Patienten eine erhöhte Aufmerksamkeit.

Übertragung:
Der Erreger wird durch eine Schmierinfektion auf die Haut oder Schleimhaut übertragen. Dies kann an Scheide, Schamlippen, Penis, (in der) Harnröhre, aber auch im Bereich des Analkanales sein. Die Haut- bzw. Schleimhautveränderungen sind sehr infektiös! Problematisch sind vor allem die kleinen, unter Umständen mit dem bloßen Auge noch nicht sichtbaren Veränderungen, die zur Infektion von anderen Menschen während des Sexualkontaktes führen. Ob es tatsächlich zu einer neuen Infektion kommt, hängt beispielsweise auch vom Immunstatus und eventuell gleichzeitig bestehender anderer sexuell übertragbarer Krankheiten ab. Die Formen dieser Warzen können sehr verschiedenartig sein.

Die Kondylome können auch einen beetartigen Charakter habe und bei den zwar seltenen aber sehr schweren Verlaufsformen in einen sog. Buschke-Löwenstein-Tumor übergehen. Vor allem in diesen Fällen sollte durch eine Gewebsprobe ein bösartiger Tumor ausgeschlossen werden.

Diagnose:
Die Diagnose kann häufig schon aufgrund des klinischen Bildes gestellt werden (und insofern haben viele Patienten auch bereits mit ihrer eigenen Verdachtsdiagnose recht!!!). Treten Veränderung im Bereich des Analkanals auf, so sollte auf jeden Fall der Enddarm mit untersucht werden!

Therapie:
Die Behandlung richtet sich nach Größe und Ausbreitung der Feigwarzen. Insbesondere Feigwarzen im Bereich des Analkanals erfordern häufig nicht besonders angenehme Untersuchungen und Behandlungen. Auch nach einer erfolgreichen Therapie sollten die infizierten Stellen (auch im Analkanal!) regelmäßig nachuntersucht werden, da es ziemlich häufig zu einem erneuten Auftreten von Feigwarzen kommen kann. Und dies relativ unabhängig vom eingesetzten Verfahren zur Behandlung von Feigwarzen.
Zur Behandlung geeignet sind neben ätzenden Substanzen wie Trichloressigsäure auch zytostatische Substanzen wie Podophyllotoxin aber auch Therapie wie Elektrokoagulation und Vereisung, Mit Imiquimod bietet sich in jüngster Zeit auch die Möglichkeit über eine Art Scharfmachen des Immunsystems die Virunsinfektion anzugehen. Der Einsatz der aufgeführten Substanzen sollte nur nach Anleitung eines erfahrenen Arzt in Eigentherapie erfolgen, da es teilweise erhebliche Nebenwirkungen kommen kann!

Wie bei anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen gilt auch hier: je früher man sich diesem lästigen Problem stellt, umso besser!
Dr. Adreas Trein für schwulst

KrankenSchwester

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