Wenn Man(n) nicht kann...

oder die Erektile Dysfunktion

Es gibt kaum Männer, die Hemmungen haben, über die letzte Grippe, den Unfall beim Sport oder die aus dem Urlaub mitgebrachte Malaria öffentlich zu sprechen. Aber in der ach so aufgeklärten schwulen Welt gibt es nur sehr, sehr wenige, die über ein Problem sprechen, das wohl recht viele betrifft: Erektionsstörungen.

Untersuchungen haben ergeben, dass 31% der 30jährigen, 41% der 40jährigen und 48% der 50jährigen Männer manchmal oder dauerhaft unter einer erektilen Dysfunktion leiden, also dem Unvermögen, eine Gliedversteifung zu erreichen, welche ausreichend und lange genug anhält um Geschlechtsverkehr auszuüben. Weltweit sind über 350 Millionen Männer betroffen.
Die Ursachen solch einer erektilen Dysfunktion sind vielfältig. Meist sind es Schädigungen der Gefäße (z.B. Durchblutungsstörungen durch Alkohol und Nikotin, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Gefäßfehlbildungen), oder Schädigungen der Nerven und bei Verletzungen(z.B. nach Operationen, bei Querschnittlähmung, Multiple Sklerose,nach Bestrahlungen, nach Unfällen und Entzündungen im Genitalbereich). Manchmal spielen auch die Hormone oder Organe verrückt (Schilddrüsen-Unterfunktion, Nierenversagen, Leberschädigung).
Nur in 15% aller Fälle ist es die häufig unterstellte Psyche, die Schuld an der ungenügenden Gliedversteifung hat (Stress, unbewältigte Konflikte, Depression). Nicht vergessen werden darf auch die Nebenwirkung von entsprechenden Medikamenten (z.B. auch Haarwuchsmittel, Medikamente gegen Depression, Magen-Darm-Mittel und Cortison).

Für Männer ist ihr Selbstwertgefühl von Männlichkeit und Potenz stark gekoppelt an die Erektion. Fast jeder Mann mit Erektionsstörungen stürzt daher in ein wahres Gefühlschaos: Er fühlt sich häufig nicht mehr als richtiger Mann, sondern nur noch als "Schlappschwanz" und Versager. Er schämt sich und hat große Angst gegenüber dem Partner, der ihn wegen einem potenteren Mann verlassen könnte, und er hat Angst, dass sein Zustand bekannt wird und er damit lächerlich wird.
Der Partner eines Betroffenen hat es auch nicht leichter: Meist wird über das Problem geschwiegen und der Partner weiß nicht, was im anderen vorgeht. Er stellt Vermutungen an und ist allein gelassen mit den oft quälenden Fragen, ob der Betroffene ihn überhaupt noch liebt, begehrt und erotisch findet, ob da etwa die Beziehung am Ende ist oder ob er selbst etwas falsch macht.
Der sich aufbauende Druck belastet den Betroffenen aber noch mehr und wirkt sicher nicht förderlich auf seine erektile Dysfunktion. Gerade in schwulen Beziehungen ist es noch schwerer, mit einer erektilen Dysfunktion umzugehen. Beide Partner bewerten ihre Erektionsfähigkeit und Potenz stark. Dies hat schon mit unserer männlichen Entwicklungsgeschichte zu tun, mit der persönlichen Erziehung und Entwicklung und mit dem durch die Medien und in der schwulen Szene vermittelten Stellenwert von der Sexualität des Mannes.
Der Ausweg aus diesem Kreislauf kann sein, dass Betroffener und Partner einsehen, dass sie sich mit diesem Verhalten nur schaden, und das gleich aus zwei Gründen:
Zunächst ist wichtig, dass man nicht auf Sexualität verzichten muss, wenn ein Partner Erektionsstörungen hat. Auf der einen Seite gibt es genug Medikamente (Viagra, Cialis, etc.) und Hilfsmittel (Hormonzäpfchen zum Einführen in die Harnröhre, Testosteron-Salbe, Schwellkörper-Injektionstherapie, Vakuumpumpe, usw.). Zum anderen gibt es auch befriedigenden Sex ohne Erektion.
Außerdem können Erektionsstörungen sehr früh auf andere gefährliche und noch nicht erkannte Erkrankungen hinweisen. Eine rechtzeitige Entdeckung und Behandlung dieser Krankheiten ist meist lebensverlängernd.

Viele der Faktoren, die eine erektile Dysfunktion auslösen, lassen sich sehr gut kontrollieren. Das hilft, um einem Verlust der "Standkraft" vorzubeugen. Wenn also Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes bestehen, dann sollte man den Anweisungen des Arztes folgen. Auf Rauchen und übermässigen Alkoholgenuss zu verzichten kann das Risiko einer erektilen Dysfunktion senken.
In den meisten Fällen ist die erektile Dysfunktion nicht heilbar. Aber: In aller Regel lässt sie sich wirksam behandeln. Man muss als Betroffener nur den Mut haben, seinen Arzt darauf anzusprechen und sich untersuchen zu lassen. Und als Partner sollte man den Mut haben, hier den anderen zu unterstützen und zu begleiten, sowie Verständnis und Geduld zeigen.


Kategorie KrankenSchwester

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